Yogarichtungen

Im Yoga gibt es verschiedene Formen. Die wichtigsten Richtungen werden Hatha-, Karma-, Bhakti-, Mantra-, Laya- und Raja-Yoga genannt.

 

Hatha-Yoga

Beinhaltet den physischen Körper und den Atem. Er führt zu Gesundheit und langem Leben. Sein Ziel ist die feinstofflichen Energiekanäle zum Fliessen zu bringen.

 

Raya-Yoga

Er wird oft der Yoga der Erkenntnis genannt. Durch Konzentration, Kontemplation und Meditation werden die psychologischen Funktionen studiert und der Kontrolle unterworfen sowie höhere Bewusstheitszustände erreicht, die eine Verbindung mit dem Unendlichen ermöglichen.

 

Karma-Yoga

Karma steht für Handlung/Tat sowie aus deren Auswirkungen, welche nach indischer Vorstellung auf den Menschen zurückwirken. Wer Karma-Yoga praktiziert wird begierdelos und handelt aus nicht egoistischen Motiven (berühmtes Beispiel: Mahatma Gandhi).

 

Bhakti-Yoga

Er ist der religiöse Weg, der liebenden Verehrung eines persönlichen Gottes oder Göttin. Sein Ziel ist die Erfahrung des Göttlichen. Bhakti-Yoga ist in Indien die populärste Form des Yoga.

 

Kriya-Yoga
Eine sehr alte indische Übungsmethode, bestehend aus speziellen Körper- und Atemübungen, Reinigungstechniken, Meditation mit Schwerpunkt auf Geistesschulung. Bekanntester Vertreter war der Inder Paramahansa Yogananda (1893-1952).

 

Mantra-Yoga

Ein Mantra besteht aus einer Kombination von Buchstaben und Silben des Sanskrit-Alphabets, wobei jeder Buchstabe eine bestimmte Schwingung repräsentiert. Durch das Wiederholen dieser Buchstaben/Silben versucht man einen bestimmten Bewusstseinzustand zu erlangen. Das bekannteste Mantra ist OM.

 

Laya-Yoga

Laya-Yoga ist ein System, das mit Energiezentren (Chakras) und Energiebahnen im feinstofflichen Bereich arbeitet.

Die kosmische Urkraft, Kundalini genannt, schläft im untersten dieser Energiezentren, das sich am Ende der Wirbelsäule befindet. Laya-Yoga zielt darauf hin, diese Kraft zu wecken und sie über bestimmte Kanäle bis ins oberste Zentrum im Scheitel zu führen, was unendliche Glückseligkeit und Erlösung vom Lebenskreislauf bedeutet.

 

Neuere Yogarichtungen

Viele Yogalehrende verbinden verschiedene Yogastile. Daraus ergeben sich unterschiedliche Schwerpunkte mit mehr oder weniger oder auch gar keiner Orientierung mehr an indischen Weltanschauungen.

 

AcroYoga®
AcroYoga wurde 2003 von Jason Nemer & Jenny Sauer-Klein in Kalifornien begründet. Verbunden werden die spirituelle Weisheit von Yoga, die liebende Güte von Nuad (Thai-Yoga-Körperarbeit) und die dynamische Kraft der Akrobatik. Gemeinsam bilden diese drei traditonellen Linien die Wurzeln von AcroYoga, die Vertrauen, Verbundenheit und Verspieltheit fördern. Die 7 Hauptelemente sind: Circle Ceremony, Asana, Partner-Flow, Nuad (Thai-Yoga BodyWork), Therapeutic Flying, Inversions (Umkehrhaltungen) & Spotting (Hilfestellung) sowie Partner-Akrobatik. Ziel von AcroYoga ist, Individuen in einen Zustand der Einheit mit sich selbst, mit anderen und mit dem Göttlichen zu bringen.

 

Aerial Yoga
.... oder Antigravity®Yoga,  Fliegendes Yoga oder Anti-Schwerkraft-Yoga genannt verbindet Yoga mit Luftakrobatik, Gymnastik, Tanz und Pilates. Bei dem vom New Yorker Christopher Harrison 2008 gegründeten Antigravity® Yoga, lassen Schülerinnen und Schüler nicht nur die Seele baumeln, sondern hängen an einem elastischen Trapeztuch von der Decke. Mut, Körperspannung und Balance gehören auf jeden Fall dazu.

 

Anusara-Yoga®
Vom Amerikaner John Friend 1997 begründeter Yogastil.  anusara = „Folgen, Nachfolgen“ oder „natürlicher Zustand“. Anusara-Yoga vereint mehrere klassische Yoga-Ansätze: Hatha-Yoga (Fokus Körper/Atmung), Jnana Yoga (Fokus Geist/Weisheit/Wissen), Bhakti Yoga (Fokus Spirituelle Hingabe). Ziel ist eine freudige, einem „dem Herzen folgende“ Yogapraxis, um „im Einklang mit dem Körper die innere Schönheit zu erleben“. Asanas (Yogahaltungen) werden 'herzorientiert' ausgeführt und finden ihren Ausdruck  'von innen nach aussen'. Yogaübende sollten die Liebe in ihrem Herzen finden und den universellen Fluss des Lebens erkennen.


Ashtanga-Vinyasa Yoga
Der Inder Sri Krishna Pattabhi Jois (1915-2009) entwickelte eine sehr kraftvolle und dynamische Form des Hatha-Yoga. Es werden vorgegebene, sehr fordernde dynamische Reihen im indischen Stil geübt, die einzelnen Asanas (Körperhaltungen) oft durch Sprünge miteinander verbunden und mit der sog. Ujjayi-Atmung (Kehlkopfritzenatmung) verknüpft. Diese Atmung erzeugt innere Hitze, wirkt schweißtreibend und entgiftet so den Körper.


Bikram-Yoga®
Bikram Yoga wird bei 40-41 Grad (105°F) und 40 % Luftfeuchtigkeit praktiziert. Es besteht aus einer Abfolge von 26 Hatha-Yogaübungen (Asanas) und zwei Atemübungen (Pranayama). Diese 26 Übungen wurden aus mehr als 800 Asanas vom indischen Yogameister Bikram Choudhury ausgewählt und zusammengestellt. Es ist ein sportliches und forderndes Yoga und soll die physische Körperkraft, Flexibilität und Balance verbessern und durch Schwitzen den Körper entgiften.


Iyengar-Yoga
Der Inder B.K.S. Iyengar sprich: aiyengar (1918-2014) begründete diesen kraftvollen Yogastil. Seine langjährige Beschäftigung mit Ausführung und Wirkung von Körperhaltungen (Asanas) und Atemübungen (Pranayama) führten zu einer weltweiten Verbreitung dieses Stils.
Iyengar-Yoga erlaubt auch im Gruppenunterricht ein individuelles Eingehen auf die Bedürfnisse der Übenden. Typisch ist die Verwendung von Hilfsmitteln, wie z.B. Gurten, Klötzen, usw. und bei Bedarf werden die Übungen in Zwischenschritte aufgeschlüsselt. Genaue Beobachtung, Anweisung, Korrektur und ein didaktisch gut durchdachter Unterrichtsstil bringen Übende in exakte Positionen.

 

Jivamukti-Yoga
Wurde von der Tänzerin Sharon Gannon und dem Künstler David Life in den 80er Jahren in New York entwickelt. Jivamukti heißt übersetzt so viel wie „die Befreiung der Seele“ und ist eine moderne Form des Hatha-Yoga.
Ineinander fließende tänzerische Körperübungen wechseln mit Gesängen und spezieller Atemtechnik. Ziel ist es, mentale Stärke und Ausgeglichenheit zu entwickeln.

 

Kundalini-Yoga
Im Kundalini-Yoga nach der Lehre von Yogi Bhajan (1929-2004) geht es um Anregung und Verstärkung jener Energie, die als im Becken bzw. am unteren Ende der Wirbelsäule (kundalini) ruhend angesehen wird. Dies wird durch intensive Atemübungen (pranayama), Körperhaltungen (asana), reinigende Übungen (kriya), Meditation und Singen von Mantren erreicht.

 

Power-Yoga
Poweryoga wurde vom Amerikaner Bryan Kest begründet und ist ein kraftvoller, intensiver durch längeres Halten der Yogapositionen geprägter Yogastil. Es werden einfache Positionen mit Fokus auf Aufbau von Koordination, Atmung und Bewegung, Kraft und Balance geübt. 

 

Prana Flow®
Prana Flow ist eine energetische, transformierende Form und Weiterentwicklung des Vinyasa Flow Yoga durch die amerikanische Yogalehrerin Shiva Rea. Eine Yogaeinheit ist in mehrere Teilsequenzen eingeteilt. Ziel ist durch fließende, dynamische Bewegungen das innere Feuer (Agni) zu stärken, sich immer tiefer zu öffnen und sich bei grooviger Musik mit dem eigenen Körper auszudrücken.

 

Satyananda Yoga®
Diese von Paramahamsa Satyananda Saraswati (1923-2009) entwickelte Yogarichtung, auch als Bihar Yoga bekannt, ist ein integrales und wissenschaftlich orientiertes System, das Menschen auf dem Weg der Selbsterkenntnis und Selbstfindung methodisch und holistisch unterstützt. Er vereint in sich die Weisheit dreier alter Traditionen – Vedanta, Tantra und Yoga und basiert auf der Synthese von Techniken der traditionellen Yoga-Zweige. Satyananda Yoga Nidra™ (Tiefenentspannung) ist eine der wichtigsten Techniken des Bihar Yoga bzw. Satyananda Yoga®.

 

Sivananda Yoga
Die Sivananda-Yoga Vedanta Zentren wurden von Swami Vishnudevananda (1927-1993) gegründet, ein Lehrer des Hatha- und Raja-Yoga und enger Schüler des Yogameisters und Arztes Swami Sivananda (1887-1963). Gelehrt wird weltweit,  seit ca. 50 Jahren, klassisches Yoga mit ganzheitlichem Ansatz: Asanas (Yogaübungen), Atemübungen, Tiefenentspannung, Ernährung, positives Denken und Meditation. Eine praktische Methode, die für alle Lebensstufen geeignet ist. Sie fördert körperliche und geistige Gesundheit: Fitness und Beweglichkeit, Konzentration, Stressbewältigung und Ausgeglichenheit.

 

TriYoga®
TriYoga® wurde von der Amerikanerin Kali Ray begründet. Es verbindet Asanas (Körperhaltungen), Pranayama (Atmung) und Handmudras (Fingerstellungen) zu fließenden Sequenzen ("Flows") zur Erweckung der Lebensenergie "Prana". Der Begriff TriYoga® steht für das Streben nach der Drei-Einheit von Körper, Geist und Seele.

 

Vinyasa-(Flow-)Yoga
Sanskrit: vinyasa = Bewegung, Stellung, Verbinden
Vinyasa-Flow-Yoga ist ein dynamischer Yogastil, bei dem Körperhaltungen (Asanas) fließend mit bewusster Wahrnehmung des Atems (Ujjayi-Atmung) verbunden werden. Der Vinyasa-Flow (meist eine mehrmals wiederholte Abfolge aus drei Asansas - Brett, Chaturanga und nach oben schauender Hund) erzeugt innere Hitze, die die Muskeln geschmeidig werden lässt und das Nervensystem reinigt, während die Körperzellen reichlich Sauerstoff und Energie erhalten. Der Fokus liegt auf gesteigertem Tempo mit Konzentration auf Atmung und Bewegung.

 

Yoga in der Tradition T. Krishnamacharya | Viniyoga
Der Inder Sri Tirumalai Krishnamacharya (1888-1989) war der Lehrer vieler Yogalehrerinnen und -lehrer, die heute im Westen bekannt sind, so zB B.K.S. Iyengar (1918-2014), Sri Krishna Pattabhi Jois (1915-2009), A. G. Mohan (*1945) uvm. Sein Sohn T.K.V. Desikachar (1938-2016) setzte die Tradition fort.
Atmung und Bewegung werden bei diesem Yogastil präzise koordiniert, in fließenden Abläufen (dynamisches Üben) und ruhigen Haltungen (statisches Üben), je nach Situation und Sinn der Praxis. Philosophie, Reflexion, Meditation haben ihren Platz. Die individuelle Anpassung der Praxis an die Bedürfnisse der Gruppe oder des Einzelnen sind ein besonderes Merkmal dieser Art zu üben. Dementsprechend wird der Einzelunterricht sehr hoch geschätzt.

 

Yin-Yoga

Yin Yoga ist ein ruhiger, passiver Yoga-Stil, der größtenteils im Liegen und Sitzen praktiziert wird.

Yin Yoga wurde Mitte der 1980er Jahre von Paulie Zink aus einer Synthese von Hatha Yoga und Tao Yoga entwickelt. Sein Schüler Paul Grilley und dessen Schülerin Sarah Powers entwickelten den Stil weiter. Yin Yoga wird oft gleichgesetzt mit dem Yoga nach Paulie Zink, Paul Grilley und Sarah Powers und steht heute insgesamt für die sanfte Form des Yoga.